Sie spielten gerade Fangen, als Elfriede auf einmal in die Luft sprang, klatschte und rief: „Wir sind da Knolli. Das ist das Haus von meiner Tante Knollhexe. Komm wir klopfen an der Tür. Elfriede nahm Knolli an der Hand und zog ihn zum Hexenknollhaus. Sie klopften so fest an der Tür, dass es sehr laut schallte im Wald. Denn die Knollhexe war schon ziemlich alt und hörte nicht mehr so gut. Nach ein paar Mal klopfen hörten sie eine alte krächzende Stimme durch die Tür rufen: „Wer macht denn hier so einen Krach? Wer will mich denn jetzt besuchen?“ „Ich bin es Tante Simone, deine Nichte Elfriede. Mach doch bitte die Tür auf!“ „Ach wie schön, dass du mich mal wieder besuchen kommst.“, antwortete die Knollhexe und öffnete die Tür. Sie drückte Elfriede ganz fest und fragte dann: „Wen hast du denn noch mitgebracht, meine Liebe? Wer ist denn der kleine Wichtelknoll?“ „Guten Abend liebe Frau Waldhexe, ich heiße Knolli.“ „Aha! Knolli! Was machst du kleiner Wichtelknoll hier so alleine in dieser Gegend? Ihr lebt doch eigentlich auf dem Gipfel des Himalaberges. Was treibt dich hier her?“, wunderte sich die Knollhexe.“ Ich bin auf den Weg zum Klingenhang, denn ich will in der Erzhöhle meinen roten leuchtenden Edelstein finden.“, antwortete ihr Knolli. „So, so! Aber kommt doch erst einmal in mein Haus. Es ist schon spät und kalt hier draußen. Ich werde euch etwas Leckeres zum Abendbrot kochen, ihr könnt euch etwas aufwärmen und dann erzählst du mir alles in Ruhe.“ Und so gingen sie alle 3 in das gemütliche Haus der Knollhexe. Ihr braucht aber keine Angst zu haben. Unsere Knollhexe war ganz und gar nicht so böse, wie die Hexe aus dem Märchen Hänsel und Gretel. Und sie sah auch nicht so schrecklich aus. Sie hatte zwar auch eine Warze auf der Nase, aber ansonsten sah sie eher wie eine freundliche alte Dame aus, mit grauen Haaren und einen dicken Kugelbauch. Sie trug auf dem Kopf natürlich auch eine Knollhexenmütze und hatte einen echten Hexenumhang um. In der Mitte ihres Hauses stand ein großer Kessel indem sie oft ihre Zaubertränke braute. Und zum Kochen nahm sie ihn auch. Und jetzt kochte sie eben eine schöne leckere Snirfssuppe darin. Knolli und Elfriede machten es sich auf den vielen Kuschelkissen gemütlich. „So, so! Du willst also den Edelstein finden?“, murmelte Simone vor sich hin und rührte mit ihren großen Kochlöffel die Suppe um. „Da hast du dir aber ganz schön was vorgenommen. Der Klingenhang ist sehr gefährlich und in der Erzhöhle ist es so dunkel, dass du nicht einmal mehr deine eigene Hand vor Augen siehst.“ „Das hab ich Knolli auch schon gesagt.“, unterbrach Elfriede ihre Tante. „Deshalb sind wir zu dir gekommen, weil du doch die magische Karte hast, auf der man den sicheren Weg zum Klingenhang sehen kann. Kannst du sie Knolli geben?“, fragte Elfriede und sah dabei Hexe Simone ganz liebevoll an. „Natürlich gebe ich sie ihm meine Gute.“, antwortete Simone und lächelte ihre Nichte und Knolli ebenfalls sehr freundlich an. „Vielen Dank!“, riefen beide und fielen der Waldknollhexe um den Hals. „Aber Knolli eins muss ich dir noch sagen! Die Karte zeigt dir zwar den sichersten Weg durch den Klingenhang, aber wenn du an der Erzhöhle angekommen bist, kann sie dir auch nicht mehr weiterhelfen. Denn die magische Karte verliert ihre Kraft sobald du die Höhle betrittst. Den restlichen Weg zu deinen Edelstein musst du wohl ohne die Karte finden mein Junge!“, erklärte Simone dem kleinen Wichtelknoll. „Och!“, schnaufte Elfriede. „Ich habe gehofft, dass Knolli mit Hilfe der Karte sicher bis hin zu seinen Edelstein kommt. Jetzt habe ich trotzdem noch Angst um ihn. Wenn ihm nun in der Höhle etwas zustößt?“, fragte die kleine Waldknolldame ganz besorgt. „Da kann ich leider auch nichts mehr machen, mein Kind.“, antwortete ihr die Knollhexe.

„Aber da fällt mir gerade ein, dass mein Freund Wilfried erst vor kurzen erzählt hat, dass in der Höhle ein Erzknoll lebt, der sich dort sehr gut auskennt. Den könntest du bitten dir in der Höhle zu helfen, Knolli.“, schlug Simone vor. „Er kann dich sicher auch in der dunklen Höhle führen, denn er kann im Dunkeln viel besser sehen als wir. Erzknolle kommen nämlich nie raus ans Tageslicht, sie bleiben immer in ihrer Höhle und deshalb haben sich ihre Augen sehr an die Dunkelheit gewöhnt.“, erklärte die freundliche alte Hexe den beiden Kindern. „So, aber jetzt esst ihr erst einmal etwas von meiner leckeren Snirfssuppe. Ihr habt doch sicher schon großen Hunger und dann legt ihr euch in mein gemütliches Hexenbett. Morgen muss Knolli ja fit sein.“, sagte die Knollhexe und gab den Beiden eine Schüssel ihrer warmen selbstgekochten Snirfssuppe. Die Kinder aßen ganz gemütlich ihre Suppe und legten sich dann in das weiche kuschelige Bett. Knolli schlief tief und fest und träumte davon wie er seinen roten Edelstein in der Hand hielt und ihn zurück zum Himalaberg trug. Er fühlte sich richtig wohl und schlief so fest, dass er gar nicht merkte, dass er von Elfriede geweckt wurde. Aber als sie ihn sanft an der Nase kitzelte, wurde er schließlich doch wach. „Knolli wach auf! Heute ist doch dein großer Tag.“, sagte Elfriede energisch zu ihn und strich ihn noch einmal ganz sanft über den Kopf. „Ja, ja Elfriede, ich bin doch schon wach. Warte ich muss mich nur noch einmal recken und strecken, dann steh  ich auf. Ich hatte ja so einen wunderbaren Traum.“ „Ich kann mir schon denken von was du geträumt hast Knolli.“, entgegnete ihm Elfriede und lächelte ihm zu. So aber jetzt musst du wirklich aufstehen, sonst schaffst du es nicht vor Anbruch der Dunkelheit am Klingenhang zu sein.“, drängte Elfriede ihren Freund einwenig. Und so stand Knolli auf, wusch sich, packte seine Sachen in den Wagen und aß noch schnell etwas zum Frühstück. „Hier Knolli!“, sagte Simone und gab ihm noch ein paar Snirfs für die Reise mit. „Hier hast du noch etwas zu Essen für den weiten Weg. Und die Zauberwanderkarte habe ich dir auch schon in den Wagen gelegt. Ach mein Knolli, ich hoffe dir passiert nichts unterwegs und du kommst heil an.“, sagte Hexe Simone mit etwas bedenklicher Stimme und drückte Knolli noch einmal ganz fest. Dann gingen alle 3 vor die Tür des Hexenhauses. Elfriede ging natürlich mit auf die gefährliche Reise und deshalb verabschiedete sie sich auch von ihren Freund Knolli. „Mein lieber kleiner Wichtelknoll, ich werde dich vermissen und Angst um dich haben. Und deshalb möchte ich dir einen Glücksbringer mitgeben. Damit du auf deiner Reise an mich denkst und dass er dir hilft deinen Stein zu finden.“, sagte Elfriede und nahm sich die Hagebutte aus ihren Haaren, gab sie Knolli und drückte ihn noch einmal ganz fest. „Ich danke dir liebste Elfriede. So werde ich den Edelstein ganz bestimmt finden.“, sagte er und steckte sich die Hagebutte in die Tasche. Dann nahm er seinen Wagen und lief langsam los. Elfriede und Simone blieben am Haus stehen und winkten Knolli hinterher. Und auch er drehte sich ein paar Mal um, um zu winken bis seine zwei Freunde schließlich nur noch zwei kleine Punkte am Horizont waren.

Er lief und lief und langsam wurde es wieder kälter. Der Wind pfiff fürchterlich. Denn er war nun nicht mehr unten im Tal, sondern wieder am Fuße der Berge. Der Wind pustete und pustete. Es war fürchterlich kalt und seine Nasenspitze war schon ganz rot. Die Berge wurden immer felsiger und immer mehr Abhänge waren rechts vom Weg. Er sah sich um und stellte fest, dass er schon ganz nah am Klingenhang war. Er holte sich schon mal seine Karte heraus und sah, dass es nur noch ein paar Knollmeter bis zum Klingenhang waren. Ganz aufgeregt lief er schneller und schneller. Und hatte nach ein paar Knollminuten den gefährlichen Klingenhang erreicht. Die Felsen des Klingenhanges ragten wie spitze scharfe Messer in die Luft. Man konnte nicht sagen welcher Felsen gefährlicher war. Hätte Knolli ein Stück Holz darauf gehalten, hätte er es zersägen können, so scharf waren diese Felsen. „Jetzt weiß ich warum Elfriede und Simone solche Angst um mich hatten und warum der Hang Klingenhang heißt.“, dachte sich Knolli bedenklich und hielt seine Karte fest in der Hand. „Aber mit der magischen Karte von Simone komme ich ja sicher durch die Felsen hindurch und brauch keine Angst zu haben.“ Knolli nahm seinen ganzen Mut zusammen und lief durch die Felsen, wie die Karte es ihm zeigte. Er lief zwei Knollstunden durch den Hang, ganz dicht an den gefährlichen Felsen entlang, bis er plötzlich nicht mehr weiter konnte. Mitten auf dem Weg stand ein riesengroßer Felsbrocken, der vermutlich einmal vom Berg hinab auf den Weg gefallen ist. „Auch das noch! Jetzt versperrt mir dieses große Ding auch noch den Weg. Was mach ich nur?“, überlegte Knolli und sah dann noch einmal auf seine Karte. „Was zeigt mir denn die Karte an? Mal sehen wie ich den Brocken überqueren soll.“, dachte Knolli bei sich. Aber die Karte zeigte ihn nicht an wie er hinüber kam. Sie zeigte ihm nur, dass er diesen Weg weiter gehen sollte, denn in der Karte war dieser Felsen nicht verzeichnet. Er saß nun also vor dem Felsen und überlegte wie er weiter kommt. „Hier kann doch meine Reise nicht schon vorbei sein. Jetzt bin ich schon so weit gekommen und so nah an meinen Edelstein. Ich muss einfach irgendwie hier vorbei kommen.“, dachte sich Knolli.  Er versuchte den Felsen beiseite zu schieben, doch er bewegte sich keinen Zentimeter. Er sah rechts und links neben den Stein und versuchte sich an der Seite hindurch zu schlängeln. Aber auch das ging nicht. Er passte nicht hindurch. Oben drüber konnte er auch nicht klettern, denn der Stein war viel zu hoch. Nichts funktionierte, deshalb setzte sich Knolli traurig vor den Stein und überlegte weiter.

Er wollte gerade aufgeben und den ganzen Weg zurück laufen, als ihn plötzlich ein kleiner älterer Knollherr ansprach. „Sag mal kleiner Knoll, warum sitzt du hier so traurig vor dem Felsen? Was führt dich hier in diese gefährliche Gegend?“, fragte er. „Ich möchte zur Erzhöhle und dort meinen roten Edelstein finden. Aber der Felsen versperrt mir den Weg, also muss ich wohl wieder umkehren, da ich nicht weiß wie ich an ihm vorbei komme.“, antwortete ihn Knolli. „So, so  wenns weiter nichts ist.“, antwortete ihm der Knollherr. „Da kann ich dir behilflich sein. Aber vorher muss du mir erzählen warum du einen roten Edelstein finden willst und wie überhaupt dein Name ist, junger Mann.“, zwinkerte ihm der ältere Knoll freundlich zu. „Ich heiße Knolli, bin ein Wichtelknoll und komme vom Himalaberg.“, antwortete ihm Knolli und erzählte ihm die ganze Geschichte. „Aha, da hast du ja eine gute Idee.“, fand der Knollherr. „Ich bin übrigens ein Spitzknoll und heiße Gustav. Ich lebe hier im Klingenhang. Nichts ist für mich leichter als dir dabei zu helfen deinen Weg fortzuführen. Ich gebe dir etwas was wir Spitzknolle häufig benutzen um die scharfen Felsen heil zu durchkämpfen. Warte ich muss kurz suchen!“, sagte Gustav und wühlte in seiner Tasche. „Aha, da hab ichs ja. Mein Zauberseil! Hier hast du es Knolli.“, sagte er ganz erfreut und überreichte Knolli ein regenbogenfarbenes Zauberseil. Knolli war erst etwas verwundert und überlegte was er damit machen sollte. Aber Gustav erklärte ihn gleich alles. „Dieses Zauberseil kannst du benutzen um über hohe Berge zu kommen. Du wickelst es nur auf, sagst die drei magischen Worte ping; pang; pung und schon erleuchtet es in den wunderschönsten Regenbogenfarben. Es stellt sich wie von selbst auf und schwebt regelrecht. Du musst dich nur noch daran festhalten und schon steigt es in die Luft und bringt dich sicher über den Felsen.“ „Das ist aber toll!“, freute sich Knolli. „Ich danke dir ganz doll, Gustav.“ Er drückte Gustav noch einmal und nahm ihm das Seil ab. „Deinen Wagen binde ich dir am Seil fest lieber Knolli.“, sagte Gustav. „Hab eine gute Reise und viel Glück weiterhin. Ich hoffe du findest deinen Edelstein.“ Knolli verabschiedete sich noch von Gustav und sprach dann den Zauberspruch. Das Seil strahlte wirklich bunt in allen Regenbogenfarben. Knolli hielt sich ganz fest und das Seil trug ihn über den hohen Felsen. Als er auf der anderen Seite ankam, war er froh, dass er endlich das Hindernis überwunden hatte.

Knolli packte das Seil wieder in seinen Wagen und machte sich weiter auf den Weg, um die letzten Knollmeter bis zur Erzhöhle hinter sich zu bringen. Die Karte führte ihn dieses Mal ohne Hindernisse durch das Klingental und nach zwei Knollstunden konnte Knolli nun endlich die Erzhöhle sehen. Sein Herz pochte wie verrückt vor Aufregung. Endlich war er seinem roten, hell leuchtenden Edelstein ganz Nahe. Er hüpfe die letzten Meter bis hin zur Erzhöhle freudig hin und her. Die Erzhöhle befand sich in einem Felsen am Klingenhang, der wieder sehr hoch war. Um in die Höhle zu gelangen musste Knolli wieder sein Seil benutzen, denn sie war ein paar Meter vom Erdboden entfernt. „Meinen Wagen lasse ich diesmal hier unten stehen.“, dachte sich Knolli und sprach seinen Zauberspruch. „Ping, pang, pung!“, sagte Knolli laut und schon stieg das Seil in die Lüfte und zog Knolli hoch in die Erzhöhle. „Hier ist es aber finster.“, dachte sich Knolli und legte das Seil am Eingang der Erzhöhle ab. „Ich werde gleich den Erzknoll Friedolin rufen, damit er mich führt.“, sagte Knolli, lief noch zwei Meter in die Höhle hinein und rief dann ganz fest: „Friedolin! Friedolin! Ich bin Knolli und brauche deine Hilfe! Friedolin!“ Da hört er ein leises Pochen, dass immer lauter wurde um so näher es kam. „Wer ruft mich hier?“, fragte eine Stimme im Dunkeln. Sie klang ein wenig erschöpft. Natürlich war es Friedolin und das Pochen kam von seinen alten Holzstock auf den er sich stützte um besser laufen zu können. „Wer ruft mich da?“, wiederholte er seine Frage. „Ich bin der Wichtelknoll Knolli, komme vom Gipfel des Himalaberges und möchte gerne den schönen roten, hell leuchtenden Edelstein finden, der hier in der Erzhöhle versteckt ist. Und das möchte ich deshalb, weil ich mit dem Edelstein das ganze Land Borgel zum leuchten bringen will. Damit kein Knoll mehr durch die finsteren Tage und Nächte ziehen muss, wenn er nach Hause zu seiner Familie möchte. Aber auch, damit alle Knolle egal ob Wasserknoll, Waldknoll, Erzknoll, Spitzknoll oder eben Wichtelknoll die Wärme und das angenehme glückliche Gefühl spüren das der Edelstein ausstrahlt. Aber lieber Erzknoll Friedolin, ich brauche dafür deine Hilfe. Bitte führe mich durch die dunkle Höhle bis zu meinen Edelstein, denn ich kann im Dunkeln nicht so gut sehen wie du.“, bat Knolli den Erzknoll. „Mir gefällt dein Vorhaben sehr und ich möchte dir auch helfen Knolli.“, antwortete ihm Friedolin. „Ich kann dich leider nicht durch die Höhle führen, denn ich habe mir vor ein paar Tagen beim arbeiten den Fuß gebrochen. Er schmerzt fürchterlich, wenn ich eine größere Strecke laufe. Aber keine Angst lieber Wichtelknoll, ich helfe dir auf eine andere Weise. Ich werde dir den Weg ganz genau beschreiben und damit du etwas sehen kannst, gebe ich dir Wunderkerzen mit die etwas Licht abgeben, sodass du den Weg findest. Hier hast du sieben Stück, die müssten für den Hin- und Rückweg reichen. Puste sie nur einfach drei Mal an und schon kommen kleine Flämmchen heraus mit denen du etwas sehen kannst.“, erklärte ihn Friedolin. „Ich danke dir lieber Erzknoll. Aber sagst du mir jetzt noch wo lang ich laufen muss?“, fragte Knolli. „Ja natürlich! Du musst zunächst einmal den Gang hier geradeaus herunter laufen, dann biegst du ein Mal links ab und danach zwei Mal rechts. Dann läufst du solange den Gang entlang, bis du schon vom weiten das helle leuchten des Edelsteins sehen kannst. Hier gebe ich dir noch einen stabilen Rucksack, indem du den Stein legen und tragen kannst.“ Knolli bedankte sich noch einmal und setzte den Rucksack auf. Friedolin verabschiedete sich noch und humpelte dann wieder langsam zurück in seine kleine Schlafhöhle.