Der Wind pfiff in dieser Nacht ganz besonders stark und der Schnee lag so hoch, dass Knolli sich mit viel Mühe und Not seinen Weg erkämpfen musste. Er stampfte mit seinen kleinen Beinen durch den hohen Schnee und seine Füße begannen schon ganz kalt zu werden. Da beschloss er einen anderen Weg zum Klingenhang zu nehmen. „Wenn ich unten im Tal entlang laufe ist der Weg zwar etwas weiter, aber da ist es wenigstens nicht so kalt wie hier oben. Brrr! Und da kann ich mich erst einmal wieder etwas aufwärmen.“ Und so stampfte er den Himalaberg hinunter Richtung Bach. Er merkte wie es immer wärmer wurde. Natürlich war es unten im Tal immer noch kalt, aber nicht mehr so kalt wie oben auf der Spitze des Berges. Nach einer halben Knollstunde kam er unten an. Die Sonne ging bereits auf. Ihr müsst wissen, die Sonne im Land Borgel ist nicht so groß wie unsere Sonne. Es ist grad so viel Licht am Tag da, dass es eher einer Dämmerung gleicht als einen schönen sonnigen Tag.

Knolli lief also am Bach entlang und sah dabei zu wie das Wasser über die Steine, die im Bach lagen, plätscherte. Dann bekam er langsam Hunger und beschloss eine kurze Pause einzulegen. Er setzte sich auf den Knollwagen und holte seine Snirfs aus dem Knollbeutel. „Oh, die Snirfs sind ja ganz kalt geworden.“, dachte er. „Aber ich esse sie trotzdem. Bei Mama Knoll würden sie zwar besser schmecken, aber ich muss da nun mal durch. Ich will ja schließlich meinen roten Edelstein finden.“ So aß er ganz gemütlich seine Snirfs, reckte und streckte sich noch einmal und machte sich dann wieder auf den Weg.Er lief und lief den Bach entlang bis er an eine Stelle kam an der ein riesengroßer Stein den Weg versperrte. „Mist!“, dachte Knolli bei sich. „Dieser Stein muss ausgerechnet mitten auf dem Weg liegen. Ich probiere mal ihn weg zuschieben.“ Und er schob und schob, aber der Stein wollte nicht beiseite. So sehr er sich auch anstrengte, es gelang ihm nicht ihn zu verschieben. „Ach es nützt nichts, ich muss wohl auf der anderen Seite des Baches weiter laufen. Doch wie komme ich da hinüber? Ich muss ja auch noch meinen Wagen mitnehmen.

Er überlegte und überlegte. Da hörte er auf einmal eine Stimme, die sagte: „Was machst du hier kleiner Knoll? Was überlegst du?“ „Wer und Wo bist du?“, fragte Knolli zurück und sah sich um sich herum um. Da spritzte ein großer Strahl Wasser aus dem Bach. „Ich bin hier und ich heiße Willy. Willy der Wasserknoll.“ Der Wasserknoll tauchte auf und spritzte mit seinen Mund ganz viel Wasser hoch in die Luft genau in Knollis Richtung. Knolli sprang zur Seite und wunderte sich über diesen merkwürdigen Gesellen. „Hallo Willy, ich heiße Knolli und bin ein Wichtelknoll.“, sagte er zum Wasserknoll. Willy sah ihn von oben bis unten an. „Aha, so sehen also Wichtelknolle aus. Das ist heute das erste Mal, dass ich einen wie dich sehe. Wir Wasserknolle leben ja nur hier unten im Bach, da kommen wir nicht weit im Land Borgel umher. Wo lebst du denn kleiner Knoll?“, fragte Willy Knolli neugierig. „Ich lebe auf der Spitze des Himalaberges gemeinsam mit meinen Eltern und meinen 6 Geschwistern in einer gemütlichen kleinen warmen Höhle.“, antwortete Knolli ihm. „Aber wieso läufst du dann hier so Mutterseelenallein am Bach entlang?“, fragte Willy weiter. „Ich möchte zur Erzhöhle am Klingenhang. Dort finde ich genau so einen roten Edelstein wie mein Vater auf seiner Arbeit im Berg fand.“, erklärte ihm Knolli. „Das hört sich ja ganz interessant an. Und was willst du mit den Edelstein machen?“, wollte Willy wissen. „Ich möchte damit ganz Borgel bestrahlen, damit alle Knolle eine gute Sicht über das ganze Land haben.“ „Na das ist eine gute Idee, da wünsch ich dir viel Glück auf deinem Weg, Knolli.“ „Danke Willy. Aber kannst du nicht einen Tipp geben wie ich über diesen Bach komme? Ich hab ja auch noch meinen Knollwagen der mit rüber muss.“ „Lass mich überlegen Knolli! Ich hab`s! Warte einen kurzen Augenblick, ich muss schnell etwas holen.“, sagte Willy und war auch schon den Bach hinunter geschwommen. Nach 3 Knollminuten war er wieder da und brachte ein Floß mit. „Hier Knolli! Hier kannst du deinen Wagen draufstellen und ich ziehe das Floß über den Bach. Du musst allerdings von Stein zu Stein springen um über den Bach zu kommen, denn du bist zu schwer um mit auf den Floß zu fahren. Es würde sonst untergehen.“, sagte er zu Knolli und half ihm mit dabei den Wagen auf das Floß zu schieben. Dann schwamm Willy los und Knolli sprang auf die Steine, die aus dem Bach heraus schauten. Und schwupp-diwupp war er drüben auf der anderen Seite. „Ich danke dir Willy, du warst mir eine große Hilfe.“, bedankte sich Knolli „Ich hab es doch gern gemacht und würde mich freuen, wenn du mich wieder einmal besuchen würdest, kleiner Wichtelknoll.“, antwortete der Wasserknoll und schwamm den Bach hinauf. Knolli sah seinen neuen Freund noch kurz hinterher und dann nahm er seinen Wagen und lief weiter.

Nach ein paar Knollmetern kam er an ein Waldstück. Die Bäume dort hatten natürlich keine Blätter, denn wie ich schon sagte scheint die Sonne im Land Borgel nur ganz wenig. Aber Bäume brauchen ja viel Sonne damit daran Blätter wachsen können. Der Wald war zwar noch dusterer als es ohnehin schon war, aber Knolli beschloss trotzdem den Weg durch den Wald zu nehmen, um schneller am Klingenhang zu sein. Da es bereits abends war und Knolli auch schon ganz schön müde und kaputt von dem weiten Weg war, beschloss er sich im Wald ein schönes Plätzchen zu suchen, um sich schlafen legen zu können. Er fand auch kurze Zeit später einen großen alten Baum der wie eine Höhle aussah. Es stand nur sein äußeres Gerüst da, der innere Kern war wie ausgehämmert. „Das ist ein guter Unterschlupf um zu schlafen.“, dachte Knolli. „Hier kann ich mein Bett ausrollen und es mir gemütlich machen.“ Nachdem er sich ganz tief in seinen Kokon verkrochen hatte, schlief er auch schon ein. Er träumte gerade von seinen strahlenden Edelstein, als er plötzlich von einen anstupsen geweckt wurde. „Heh, wer bist du? Steh auf! Verschwinde aus meinem Haus!“, hörte er eine Stimme sagen. Und dabei wurde er schon wieder mit einen Stock angestupst. Er kroch aus seinem Bett und sah, dass neben ihm eine kleine grüne Knollfrau stand. Sie war sehr hübsch. Sie hatte langes blondes Haar und in diesem hatte sie lauter kleine Hagebutten und Tannenzapfen stecken. Ihre Haut war ganz grün und ihre Stimme klang sehr lieblich. Ja, sie war wirklich sehr bezaubernd. Aber sie hatte auch eine sehr selbstbewusste Art an sich. „Jetzt geh schon aus meinem Haus.“, sagte sie sehr ernst und etwas verärgert zu Knolli. „Das ist ja nicht zu fassen, kaum ist man kurz fort um sich etwas zu Essen zu suchen, schon besetzt jemand einfach so mein Heim.“, schimpfte sie vor sich hin und schob Knollis Sachen aus dem Baum, um ihre Essensvorräte darin zu platzieren. „Es tut mir leid, ich wollte dir nicht dein Haus wegnehmen.“, entgegnete Knolli ihr mit etwas trauriger Stimme. „Ich habe nur einen guten Platz gesucht um die Nacht darin zu verbringen. Ich mache mich gleich wieder auf den Weg. Ich will dich nicht länger stören liebes Knollmädchen.“, sagte Knolli zu ihr. „Ich bin kein Knollmädchen, ich bin die Waldknolldame Elfriede, kleiner Wichtel.“, antwortete sie ein wenig hochnäsig. „Wo willst du denn hin Wichtel?“, fragte sie neugierig. „Ich bin ein Wichtelknoll und mein Name ist Knolli und ich will zum Klingenhang um meinen roten Edelstein zu finden.“, antwortete ihr Knolli  ebenfalls ein bisschen hochnäsig. Da wurde ihre Stimme schon etwas freundlicher und sie fragte: „Was ist das denn für ein Edelstein, Knolli?“ „Der Edelstein leuchtet so hell, dass er ganz Borgel zum strahlen bringen könnte und man fühlt sich sehr wohl in seiner Gegenwart.“ „Und was hast du mit dem Edelstein vor?“, fragte Elfriede weiter. „Ich möchte ihn auf die Spitze des Himalaberges legen. Er soll das ganze Land bestrahlen, damit jeder Wichtelknoll, ganz Borgel überschauen kann.“ „Das ist ja eine gute Idee, Knolli.“, sagte  Elfriede ganz begeistert. „Aber der Weg zum Klingenhang ist ganz gefährlich. Es gibt da viele Schluchten und die Felsen sind scharf wie Messer. Du könntest abrutschen und in einen Spalt fallen und niemand kann dich dort oben hören und retten. Lieber Knolli, bitte geh dieses Risiko nicht ein!“, bat ihn die Waldknolldame ganz ängstlich. „Doch, Elfriede der Stein ist mir das Risiko wert. Ich muss es probieren. Wenn ich ganz vorsichtig bin und mir Zeit lasse, dann passiert bestimmt nichts Elfriede.“, beruhigte Knolli seine neue Freundin. „Na gut Knolli, ich kann dich also nicht davon abhalten. Aber ich kann dir dabei helfen, dass du einen Weg zum Klingenhang findest der nicht so gefährlich ist. Ich bringe dich zu meiner Tante, der Knollhexe Simone. Die hat nämlich eine magische Karte, die dir den sicheren Weg zu deinen Edelstein zeigt.“ „Danke liebe Elfriede. Ich danke dir. Das ist eine gute Idee.“, freute sich Knolli, drückte seine Freundin ganz fest und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Wange. Elfriede wurde etwas rot, drehte ihren Kopf zur Seite und lenkte schnell ab indem sie zu Knolli sagte: „Jetzt komm aber Knolli. Pack deine Sachen zusammen und bummle nicht rum. Wir machen uns jetzt gleich auf den Weg zu Tante Simone, sonst dauert es ja noch Ewigkeiten bis du deinen Edelstein besitzt.“ Knolli befolgte die Anweisungen der Waldknolldame und sie machten sich beide auf den Weg zur Knollhexe.

Sie liefen einen halben Knolltag durch den Wald. Dabei entdeckten sie viele Sträucher, Büsche und Pilze. Blumen sahen sie in diesen Wald natürlich nicht, denn Blumen wachsen im Land Borgel ja nicht so wie bei uns. Aber sie sahen viele schöne Pilzsorten, Hagebutten, viele Eicheln, Kastanien und Bucheckern, aber auch  viele unterschiedliche Tannenzapfen die quer auf dem Waldboden umher lagen. Es machte ihnen Spaß die vielen unterschiedlichen Sachen zu entdecken. Und Knolli machte es vor allem Spaß nicht alleine durch den Wald zu laufen.